Eine bleifreie Jagd ist möglich und nötig

TOP 2 – 2. Lesung: Landesjagdgesetz

 Dazu sagt die umweltpolitische Sprecherin

der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen,

 Marlies Fritzen:

Mit dem Verbot bleihaltiger Büchsenmunition bei der Jagd ab dem 1. April 2015 setzt sich Schleswig-Holstein quasi an die Speerspitze und die Erkenntnisse zahlreicher dazu gemachter Untersuchungen um.

 Dies ist umweltpolitisch längst geboten, artenschutzrechtlich notwendig und berücksichtigt die Sicherheit der Jagdausübenden. Tierschutzgründe stehen einer bleifreien Jagd nicht entgegen, dies wird uns sowohl von JägerInnen als auch von Tierschutzorganisationen bestätigt. Und es ist nicht zuletzt auch erforderlich, damit Wild als Lebensmittel unbedenklich verzehrt werden kann.

 Diese 2. Lesung heute ist für mich deshalb ein Tag der Freude darüber, dass es gelungen ist, eine gesellschaftliche Mehrheit endlich auch in eine politische Mehrheit umzusetzen. Nach dem Lübecker Stadtwald, den Kreisforsten Lauenburg, die dies in ihren Eigenjagden schon lange praktizieren, wird ab der nächsten Saison im ganzen Land bleifrei gejagt werden. Viele JägerInnen, mit denen ich auf dem Weg zu dieser Entscheidung gesprochen habe, setzen das heute schon freiwillig um und berichten von guten Ergebnissen. Insofern vertritt der Landesjagdverband mit seiner wirklich vorgestrigen Haltung nicht die Interessen aller seiner Mitglieder.

 Die vom Landesjagdverband massiv und wiederholt vorgetragene Ablehnung von bleifreier Munition kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Seit den 1990ger Jahren gibt es eine breite Diskussion über Alternativen zu bleihaltigen Geschossen. Zahllose Untersuchungen sowohl zur Tötungswirkung, als auch zur Sicherheit der Jagdausübenden haben schließlich gezeigt, dass beides weniger vom Material als von der Konstruktion der Geschosse abhängt. Hinzu kommt eine Studie des Sachverständigenrates für Risikobewertung vom Dezember 2010, die vor häufigem Verzehr von Wildfleisch wegen der Akkumulation von Blei in unseren Körpern warnt.

 All diese Ergebnisse rechtfertigen, ja sie gebieten gar das Verbot bleihaltiger Munition. Dennoch wird dagegen scharf geschossen. Nach jeder abgeschlossenen Untersuchung, die zu dem Ergebnis kommt, bleifreie Jagd ist möglich, wurden weitere Untersuchungen gefordert. Warum diese Verzögerungstaktik? Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Aussage des Vorsitzenden des Agrar- und Umweltausschusses nach der Beratung des Antrages, man könne ja gern perspektivisch auf bleifreie Munition wechseln, aber man solle doch bitteschön damit warten, bis die Munitionsindustrie soweit sei. Alle Tierschutz- und Sicherheitsbedenken also nur vorgeschoben? Genau da scheint tatsächlich der Hase im Pfeffer zu liegen. Marktführer sind die amerikanischen Firmen Barnes und Hornady mit einer Auswahl von über 50 Geschossarten. Die deutsche Munitionsindustrie hat die Entwicklung verschlafen, obwohl die Debatte dazu seit weit über zwei Jahrzehnte geführt wird.

 Ein letzter wichtiger Aspekt für dieses hohe Haus soll nicht unerwähnt bleiben: der Ministerpräsident a. D. hat keine Lust am jagen mehr, wenn er nur mehr bleifrei schießen darf. Dazu ist zu sagen: Lieber Herr Carstensen, die Imkerei, die Ihnen ja auch viel Spaß macht, ist viel gesünder und in jedem Fall auch ein schönes Hobby. Und da Sie sich ja jetzt mit online-Petitionen so gut auskennen, könnten Sie die gewonnene Zeit doch dazu nutzen, eine Petition zum Verzicht auf Gentechnik zu starten. Meine Unterstützung hätten Sie und Ihren Bienen hülfe es sehr.

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