Tierwohl: Erfolgsparameter statt Zollstockangaben

Zur Diskussion über eine Tierhaltungsverordnung für Milchvieh sagt der agrarpolitische Sprecher der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Bernd Voß:

Die Milchviehhaltung ist der Bereich der Tierhaltung, in dem sich in den letzten Jahren sehr große Fortschritte hinsichtlich des Tierwohls in den Stallhaltungssystemen durchgesetzt haben. Anders wären die Leistungssteigerungen der Tiere kaum möglich gewesen. Trotzdem gibt es gute Gründe, über eine Tierhaltungsverordnung Verbindlichkeit in der Rinderhaltung sicher zu stellen.

Einzig: Es sollte aus Fehlern der bisherigen starren Haltungsverordnungen gelernt werden. Die Festlegung und Überprüfung von Erfolgsparametern für das Tierwohl halte ich für zielführender als Zollstockangaben. Dazu gehören notwendige Spielräume, damit neue Erkenntnisse auch zügig in die Praxis einfließen können und nicht durch eine starre Verordnung blockiert werden. Insbesondere ist es wichtig, mögliche Umbaulösungen in vorhandenen Ställen von vornerein einzubeziehen.

Bei der für Umwelt und Tierwohl wertvollen Weidehaltung wird aber auch deutlich, wohin das fortschreitende Wachstum und eine Intensivierung der Betriebe führen. Zwar ermöglichten in der Zählung von 2010 noch 75% der Betriebe ihren Kühen eine Weidezugang, betrachtet man jedoch die Tiere aus großen Betrieben (>200) waren es nur noch 20%.  Bei Betrieben mit mehr als 500 Milchkühen  sind es  nur  noch 7% der Betriebe, in denen die Kühe auch mal eine Weide zu Gesicht bekommen.

Hier hilft keine Tierhaltungsverordnung, sondern nur ein verbindliches, öffentliches Label, analog zu den 4 Qualitätsstufen beim Ei aus verschiedenen Haltungssystemen der Legehennen. Beim Kauf einer Weidemilch erwarten VerbraucherInnen aus gutem Grund mehr als einen kurzweiligen Blick der Kuh über eine Grünfläche.

 

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