Was für Kinder gut ist, kann auch für uns Erwachsene nicht schädlich sein

Es gilt das gesprochene Wort!

TOP 35 – Mobilität für Kinder und Jugendliche in Schleswig-Holstein

Dazu sagt der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen,

Andreas Tietze:

Sehr geehrtes Präsidium, sehr geehrte Damen und Herren,

die Landesregierung hat hier heute ihren Bericht zur Mobilität von Kinder und Jugendlichen vorgelegt. Er ist ein erster guter Schritt und zeigt deutlich auf, dass das Fahrrad und der öffentliche Personenverkehr gerade für Kinder und Jugendliche eine wichtige Rolle spielt.

Sehr ausführlich stellt der Bericht die Organisation von Zug- und Busverkehr dar. Ausgerechnet hier wird viel zu sehr nebeneinanderher gearbeitet. Besonders problematisch wird dieses dann auf dem Land, wo praktisch nur noch Schulbusse fahren.

Zum fahrscheinlosen Nahverkehr: Als elektronische Fahrkarte sei es modellhaft in Erprobung und als kostenlose Gemeinschaftsleistung nicht finanzierbar. Nun wissen wir das. Schön, aber was machen wir mit der Erkenntnis?

Der ADAC-Studie „Mobilität von Kindern“ nach machen Schulwege nur zirka 30 Prozent der Wege von Kindern aus. Die überwiegende Zahl der Fahrten wird also gemacht, wenn die Schulbusse nicht fahren. Kein Wunder, das der überproportionale Anteil von Zug und Bus bei Kindern und Jugendlichen mit Erreichen des Führerscheinalters drastisch abnimmt.

Wir Grüne sagen, dass ÖPNV so gestaltet werden muss, dass er auch außerhalb der Schule nutzbar wird und zwar auch auf dem Land. Das wird zuerst etwas kosten, aber jede gute UnternehmerIn weiß: Kinder sind die Kunden von morgen. Rechnen Sie mal die Einnahmen aus, wenn alle BürgerInnen so viel Zug und Bus fahren würden wie Kinder und Jugendliche. Zwei- bis dreimal so viele Fahrgäste hätten wir und damit auch Einnahmen.

Ähnliches trifft auf das Radfahren zu. Kinder selbständig unterwegs sein zu lassen, ist volkswirtschaftlich eine Investition in die Zukunft. Eine Investition mit hoher Rendite.

Sie sind meist aktiver, da sie nicht erst warten müssen, bis sie jemand fährt. Damit haben sie auch mehr soziale Kontakte und nicht nur geklickte Freunde auf einem Sozialnetzwerk.

Sie sind meistens auch sicherer im Verkehr, da sie mehr Erfahrung haben. Das senkt später die Unfallquote.

Zudem sind sie meist fitter. Verstärktes Bringen der SchülerInnen zur Schule setzt sich als Gewohnheit später fest und führt auch im Erwachsenenalter zu mangelnder Bewegung im Alltag. Neulich berichteten die Medien, wie sich das auswirken kann: Von 247 BewerberInnen bei der Feuerwehr Kiel bestanden nur 100 den Sporttest. Das kostet.

Sogar der ADAC bemängelt, dass die selbständige Mobilität von Kindern zurückgeht.

Wir müssen die selbständige Mobilität von Kindern und Jugendlichen fördern und als gemeinsame Aufgabe verstehen. Wir müssen auch ein Gesamtpaket knüpfen. Das darf sich nicht auf die Schulwege beschränken, sondern muss unbedingt die Freizeit- und Alltagswege mit einbeziehen. Das gilt insbesondere für die für Kinder und Jugendlichen besonders wichtigen Verkehrsmittel: Zug und Bus sowie dem Fahrrad.

Fahrradfahren muss gerade für Kinder sicher sein, auch wenn dies bedeutet, dass wir AutofahrerInnen langsamer fahren müssen.

Meine Damen und Herren, sie sehen. Wir haben viel zu tun im Wirtschaftsausschuss, aber kaum eine Aufgabe ist so wichtig wie diese. Kinder sind die Zukunft und die Mobilität ist ein zentraler Bestandteil des Lebens. Und was für Kinder gut ist, kann auch für uns Erwachsene nicht schädlich sein.

AbgeordneteR: 

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