Flensburg braucht endlich eine Anbindung an den Fernverkehr

Es gilt das gesprochene Wort!

TOP 16 – Neuen Bahnsteig für den Schienenverkehr in Flensburg-Weiche errichten

Dazu sagt die mobilitätspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Nelly Waldeck:

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleg*innen,

von Flensburg nach Dänemark zu kommen, gleicht heute einer Odyssee. Nach Aarhus muss man im dänischen Fredericia umsteigen. Nach Kopenhagen auch. Oder man fährt über Schleswig. Wie widersinnig: Erst 38 km nach Süden, umsteigen, um wieder nach Norden über Flensburg nach Dänemark zu fahren. Dieser Zustand ist mehr als unbefriedigend. Mit Wegfall der durchgängigen IC-Verbindungen verschärft sich die Situation weiter. Damit überhaupt noch Züge fahren, statten wir unsere Regionalzüge gerade entsprechend aus, sodass man wenigstens dann noch in Tinglev umsteigen kann. Das kann aber nur ein Notnagel sein.

Doch spätestens mit dem Wegfall des ICs wird der Bedarf für eine Fernverkehrsanbindung aus Flensburg nach Dänemark wirklich deutlich. Flensburg wäre ohne Grenze die fünftgrößte Stadt Dänemarks. Es ist ein wichtiger Anker der Beziehungen zu Sønderjylland und verdient eine Anbindung im dichten Takt nach Dänemark. Flensburg ist aber auch Oberzentrum im Norden Schleswig-Holsteins und verdient schnelle Verbindungen nach Hamburg. Flensburg braucht also endlich eine Anbindung an den Fernverkehr!

Bislang wurde ein Halt in Flensburg allerdings seitens der DB abgelehnt, da angeblich die zusätzlichen Fahrgäste Flensburgs die verlängerte Fahrtzeit nicht rechtfertigen. Oft wird in diesem Rahmen über die Schlaufe zum Flensburger Bahnhof diskutiert. Der 8km lange Umweg dauert bei 100km/h 5 Minuten statt nur einer beim Abbiegen in Weiche. Ich muss an der Stelle sagen: Ich bezweifle sehr, dass die Fahrzeitverkürzung dieser vier, bei einem Ausbau auf 120 km/h sogar nur drei Minuten, mehr Fahrgäste generiert als ein zusätzlicher Halt am Flensburger Bahnhof. Diese Rechnung ist die Deutsche Bahn Flensburg schuldig. Diese 4 Minuten Fahrtzeit könnten an anderer Stelle sogar eingeholt werden – südlich von Flensburg. Dazu gehört, dass die nördlichen Fahrgastströme nicht mehr separiert, sondern in Flensburg zusammengefasst werden.

Die eingesparten Kosten der EC-Verbindungen könnte man entsprechend einsetzen, um öfter und beschleunigt nach Hamburg zu fahren. Der DB-Trassenfinder zeigt: 1 Stunde 40, über 20 Minuten schneller als heute, wäre sofort möglich. Das bringt mehr Fahrgäste, was wiederum mehr Fahrten ermöglicht, die wiederum neue Fahrgäste bringen und so weiter.

Eine Option, die lange diskutiert wurde, ist die Einrichtung eines neuen Haltepunktes in Weiche, der die Schleife zum Flensburger Bahnhof vermeidet. Flensburg-Weiche ist ein am Rande Flensburgs liegender Ortsteil. Für die dortige Einrichtung eines Fernverkehrshaltes müsste eine schnelle ÖPNV-Anbindung sichergestellt werden. Die Lage der Gleise lässt die Einrichtung eines einzelnen Bahnsteigs, der Regional- und Fernverkehr kombinieren kann, leider kaum zu. Hierfür bräuchte es eine geeignete Lösung. Denn klar ist, wenn es in den Stadtteil Weiche keine gute Anbindung gibt, macht die Einrichtung eines Halts im Flensburger Umland im Vergleich zur 23 minütigen Fahrt nach Schleswig keinen großen Unterschied mehr.

Gäbe es allerdings die Möglichkeit, einen potenziellen Haltepunkt direkt mit Regionalzügen zu verbinden, könnte das auch für die Anbindung des Stadtteils Weiches in die Flensburger Innenstadt einen erheblichen Vorteil bieten. Im Landesnahverkehrsplan wurde die Einrichtung des Haltepunkts Weiche immer mit der Errichtung des Flensburger Innenstadthaltes verbunden. Die Ratsversammlung Flensburg hat mit der Beschlusslage zur Errichtung des Haltepunkts Weiche aber erneut einstimmig ein deutliches Signal zum Erhalt des Bahnhofs am aktuellen Standort abgegeben. Wir brauchen also zunächst eine Prüfung, wie ein Halt in Weiche, der Regional- und Fernverkehr kombiniert, überhaupt aussehen und vernünftig bedient werden kann.

Und zuletzt bleibt noch der Blick in Richtung Fehmarnbeltquerung. Aktuell sieht es aus, als würden nach 2029 auf der Jütlandroute keine Fernverkehrszüge mehr fahren. Das hat die Konzernbevollmächtigte nach dem Beschluss der Flensburger Ratsversammlung nochmal sehr deutlich gemacht. Wir müssen also betrachten, wie lange die Errichtung braucht und wie hoch die Kosten wären, den Haltepunkt einzurichten, wenn dieser nur bis 2029 überhaupt eine Nutzung hat. Wie im Deutschlandtakt gilt: Erst der Fahrplan – dann der Bauplan.

Und wir müssen uns weiter stark dafür machen, dass es nach 2029 schnelle und durchgehende Züge über die Jütlandroute nach Dänemark gibt. Der komplette Wegfall der Verbindungen wäre eine Katastrophe für die Anbindung nach Dänemark und unsere Grenzregion. Diese Verbindungen einzufordern ist das wichtigste Instrument, um die verkehrliche Anbindung Flensburgs zu unterstützen.

Vielen Dank.

Nelly Waldeck

Sprecherin für Mobilität, Jugend, Klimaschutz, Schifffahrt, Digitales und Netzpolitik