Es gilt das gesprochene Wort!
TOP 7 + 11 – Überarbeitung der Leitlinien zum Bildungsauftrag in Kindertagesstätten; Arbeitssituation in Kindertagesstätten und in der Kindertagespflege in Schleswig-Holstein auf den Weg bringen
Dazu sagt die kitapolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Catharina Nies:
Sehr geehrte Frau Präsidentin,
sehr geehrte Kolleg*innen,
Bildungsarbeit mit kleinen Kindern ist richtig anspruchsvoll. Und deshalb müssen wir darüber sprechen, wie sie pädagogisch ausgestaltet wird. Ich bedanke mich bei Ministerin Aminata Touré für die Vorstellung der neuen Bildungsleitlinien als pädagogischen Orientierungsrahmen für die frühkindliche Bildung in Schleswig-Holstein und bei allen Expert*innen, die an der Weiterentwicklung mitgearbeitet haben.
Die Bildungsinhalte, die Pädagogik, das Ziel, Kinder in frühen Jahren gut zu begleiten: Menschen, die in Kita oder Kindertagespflege arbeiten, sagen mir immer wieder, dass das ihre Motivation ist und sie deshalb ihren Beruf ergriffen haben. Und die Fachkräfte in Schleswig-Holstein haben zurecht hohe pädagogische Ansprüche an ihre eigene Arbeit, weil Kindertageseinrichtungen neben dem Elternhaus die zentralen Räume sind, in denen Kinder gut begleitet ihre Fähigkeiten entwickeln, ihre Erlebnisse verarbeiten und Rechte, Anerkennung und Teilhabemöglichkeiten erfahren. Und hoffentlich ihre kindliche Begeisterung und Kreativität ausleben können und sie gefüttert wird.
Die neuen Leitlinien schärfen diesen Bildungsauftrag. Bildungswerte wie Demokratie, Inklusion, Antidiskriminierung, Kinderschutz und Nachhaltigkeit werden Leitbild für Alltagssituationen in der Kita und auch in der Kindertagespflege, die anders als in den alten Leitlinien nun hier voll mit adressiert werden. Es geht nicht nur darum, was Kinder lernen, sondern wie Bildung vermittelt wird. Und dabei gibt es einen neuen Fokus auf die praktische Umsetzung und die Alltagsorientierung. Vom Ankommen in der Kita über die Mahlzeiten bis hin zum Umgang mit Konflikten werden alle Situationen als Bildungsgelegenheit verstanden und genutzt. Und der Übergang zur Grundschule soll noch verbindlicher pädagogisch gestaltet werden, um die Bildungs- und Teilhabechancen für alle Kinder zu verbessern. Hier wird angeknüpft an alles, was wir bisher auf den Weg bringen konnten, um Kinder stärker zu fördern, vor allem in ihrer sprachlichen Entwicklung. An unser Perspektiv-Kita-Programm, an die Sprach-Kitas und das neue EVi-Verfahren für die Viereinhalbjährigen, dass gerade erprobt wird.
Mit dem neuen Programm „Kita für alle“ wollen wir sicherstellen, dass frühkindliche Bildung für alle Kinder zugänglich gemacht wird, auch für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache oder aus bildungsfernen Familien. Dafür holen wir die Familienzentren an Bord und erhöhen die Zahl der Perspektiv-Kitas von 50 auf 175. Damit mehr Zeit für Kinder und Eltern da ist und auch die Fachkräfteentlastung haben wir im neuen Programm „Kita für alle“ im Blick.
Wir wollen in Kita und Kindertagespflege zusätzlich vier Krankentage anerkennen und hierfür Vertretungsstellenanteile im Personalbudget finanzieren. Außerdem wollen wir mehr heilpädagogische Kräfte an die Kitas bringen. Wir geben 2026 mit 803 Millionen Euro als Land 230 Millionen Euro mehr Geld ins System als noch 2022 zu Beginn der Legislaturperiode.
Das kann man aus der Opposition heraus jetzt versuchen wieder klein zu reden oder man erkennt an, dass wir als Land wichtige Schritte unternehmen, um die frühkindliche Bildung und die dortigen Arbeitsbedingungen langfristig zu verbessern.
In den neuen Bildungsleitlinien geht es um die Gestaltung des Bildungsalltags unserer Kinder. Und wer gestaltet diesen Bildungsalltag? Das sind die Fachkräfte. Ich glaube, es eint uns alle hier im Parlament der Wunsch, dass die Menschen, die unsere Kinder mehrere Stunden am Tag in ihrer Entwicklung begleiten, Freude und Leidenschaft bei ihrer Arbeit haben können. Die den Kindern Zeit und Anerkennung geben und eine ausgeglichene Kommunikation und Umgebung. Und dafür brauchen sie gute Arbeitsbedingungen! Und wir nehmen es ernst, diese Arbeitsbedingungen weiter zu verbessern, damit Fachkräfte aus der Belastungsspirale herauskommen.
Und wir wollen wissen, wie die Perspektive der Mitarbeitenden auf gesetzliche Änderungen und neue Programme ist und ob die zusätzlichen Landesmittel, die wir investieren vor Ort bei den mehr als 20.000 Fachkräften in Kita und Kindertagespflege auch als Entlastung ankommen. Deshalb wollen wir die Landesregierung heute bitten, eine repräsentative Studie auf den Weg zu bringen, in der zu genau diesen Bedingungen belastbare Zahlen erhoben werden.
Im Landesgesetz haben wir zum Jahr 2025 bereits ein Monitoring gesetzlich geschaffen, über das alle zwei Jahre Faktoren wie die Aufnahme von Kindern mit Behinderung, die Ausschöpfung des finanzierten Personalbudget von 2,0 oder die Ausfalltage erhoben und in ihrer Entwicklung ausgewertet werden.
Die neue Studie soll ergänzend hierzu wichtige Informationen liefern und die Perspektive der Fachkräfte abbilden, damit die Ergebnisse dann zusammen bewertet werden können. Über eine Zustimmung zu unserem Antrag freuen wir uns.
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

Catharina Nies
Sprecherin für Migration, Flucht, Frauen, Gleichstellung, Familie, Kinder, Kita
