Es gilt das gesprochene Wort!
TOP 33 – Für eine gute Schulentwicklung an der Westküste
Dazu sagt der bildungspolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Malte Krüger:
Sehr geehrte Frau Präsidentin,
liebe Kolleg*innen,
Schleswig-Holstein ist regional unterschiedlich, das gilt auch für die Schulen. Die Herausforderungen unterscheiden sich zwischen den Städten und auf dem Land, zwischen der Ost- und Westküste, dem Hamburger Rand und den Regionen weit weg von den Lehramtsuniversitäten. Insbesondere der Lehrkräftemangel ist ein ungleich verteilter Mangel und benötigt deswegen regional unterschiedliche Lösungsansätze. Deshalb enthalten die vier Pakete zur Lehrkräftegewinnung eine Vielzahl an Maßnahmen. Ausreichend Lehrkräfte an den Schulen zu haben, ist essenziell für eine gute Schulentwicklung und damit auch für die Entwicklung einer ganzen Region.
An der Westküste liegen die Kreise mit hohem Bedarf an Lehrkräften, deswegen ist hier Abordnung Plus ein ganz wichtiges Instrument. Dies ist für die Westküste wichtig, um Planstellen mindestens vorübergehend zu besetzen und die Unterrichtsversorgung zu gewährleisten. Dabei ist mir wichtig: Die Debatte über Abordnung Plus wird gerade in den Städten oft kritischer wahrgenommen, als es die landesweiten Zahlen nahelegen. Im vergangenen Jahr wurden über 90 Prozent der Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst befristet oder unbefristet in den schleswig-holsteinischen Schuldienst übernommen. Die „Abwanderung“ lag damit unter 10 Prozent, wobei darin auch Lehrkräfte enthalten sind, die sich nach dem Vorbereitungsdienst zunächst dagegen entscheiden, direkt in den Schuldienst zu gehen. Die 10 Prozent sind also wirklich ein sehr guter Wert, zumal Schleswig-Holstein gleichzeitig auch Lehrkräfte aus anderen Bundesländern gewinnt.
Dazu kommt der Anwärtersonderzuschlag, mit dem Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst an Grundschulen und Förderzentren in den Bedarfskreisen eine höhere Vergütung vom Land bekommen. Auch dieses Instrument zeigt Wirkung. Im letzten Schuljahr wurden 47 Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst mit dieser Zulage eingestellt, im laufenden Schuljahr sind es bereits 83. Auch beim Sonderzuschlag sollten wir in Zukunft überlegen, diesen weiter auszubauen und auch auf Gemeinschaftsschulen auszuweiten.
Dies alles ist auch eine wichtige Grundlage für eine regionale Schulentwicklung an der Westküste.
Wichtig ist auch, die Entwicklung der Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe zu unterstützen. In Dithmarschen gibt es bisher noch keine Gemeinschaftsschule mit Oberstufe. Dabei wäre dort das Abitur für alle möglich ohne erneuten Schulwechsel. Ich halte die Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe für die Bildungsgerechtigkeit für ein ganz wichtiges Angebot. Es stimmt natürlich, dass die Wege zur Schule in Dithmarschen, Steinburg und Nordfriesland einfach sehr lang werden können. Jugendliche fragen sich, warum sie doppelt so lange zum Gymnasium fahren sollen, wenn sie auch auf die örtliche Gemeinschaftsschule gehen können. Gleichzeitig sind die Wege zu den Berufsschulen auch weit, während aber die Ausbildungsbereitschaft bei Betrieben hoch ist.
Zusammenfassend: Es braucht an der Westküste spezielle Maßnahmen gegen den regionalen Lehrkräftemangel, damit wir dort eine zukunftssichere Schulentwicklung in den kommenden Jahren überhaupt ermöglichen können. Um alle Wege offen zu halten, sind unserer Meinung nach langfristig zusätzliche Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe und verlässliche Kooperationsvereinbarungen wichtig. Diese Kooperationsvereinbarungen sollten nach meiner Vorstellung auch von Landesseite stärker unterstützt werden. Das ist gerade an der Westküste wichtig.
Vielen Dank!

Malte Krüger
Sprecher für Schule, Hochschule, Wissenschaft, berufliche und politische Bildung
