Es gilt das gesprochene Wort!
TOP 16 – Lernen besser organisieren – Hausaufgaben und Lernzeiten zeitgemäß gestalten
Dazu sagt der bildungspolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Malte Krüger:
Sehr geehrte Frau Präsidentin,
liebe Kolleg*innen,
die FDP stellt richtig fest, dass Hausaufgaben keine verdeckte Verlagerung schulischer Verantwortung in die Familien bewirken dürfen. Wir wissen: Wenn der Lernerfolg davon abhängt, ob Eltern zu Hause fachliche Hilfestellung leisten können oder die Zeit und Ruhe für eine Begleitung haben, dann produzieren wir keine Bildungschancen, sondern zementieren soziale Ungleichheit. Hausaufgaben werden bei einigen Kindern oft von oder zumindest mit den Eltern gemacht. Da müssen wir uns doch nichts vormachen. Zu wichtig ist es einigen Eltern, dass die Kinder gute Noten erhalten, dann werden die Hausaufgaben eben von den Eltern erledigt und die Kinder stellen diese Aufgaben dann in der Schule vor und haben prompt eine gute mündliche Note.
Bildungsgerechtigkeit bedeutet für uns auch, dass die Schule der Ort sein muss, an dem alle Kinder die gleichen Unterstützungsmöglichkeiten erhalten und das unabhängig vom Elternhaus. Wir begrüßen deshalb Ansätze, die weggehen von einem pauschalen Festhalten an klassischen Hausaufgaben. Wir unterstützen die Forderung der FDP, Lernzeiten qualitativ neu auszugestalten. Es ist auch der richtige Weg, rhythmisierte Lern-, Übungs- und Vertiefungszeiten direkt in den Unterricht und in den Ganztag zu integrieren. Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung bietet nun eine sehr gute Chance, dass wir Kindern mehr Unterstützung am Nachmittag zukommen lassen.
Ich finde es auch richtig, dass der FDP-Antrag das Verzahnen des Vor- und Nachmittags betont. Nur wenn diese Zeiten durch qualifiziertes pädagogisches Personal begleitet werden, können wir sicherstellen, dass Kinder wirklich lernen und nicht frustriert an ihren Aufgaben scheitern. Dafür kommt es auch drauf an, welche Qualität die Hausaufgaben haben. In dem Antrag der FDP werden für die Qualität von Hausaufgaben Kriterien genannt: Lernziele, Altersangemessenheit, Differenzierung, Zeitumfang, die selbstständige Bearbeitbarkeit, den Bezug zum Unterricht, transparente Regeln für digitale Hilfsmittel und Künstliche Intelligenz sowie eine verlässliche Information der Eltern über Lernstand und Lernfortschritt. Ich finde, das sind alles sinnvolle Kriterien.
Ich habe noch eine Anmerkung zu dem Antrag: Sie erwähnen ganz zu Beginn ihres Antrags: „Die durchschnittlichen Effekte von Hausaufgaben fallen in der Grundschule geringer aus als in der Sekundarstufe“. In ihrem Antrag differenzieren sie dann aber kaum zwischen Grundschulen und Ganztag. Und Sie beantworten eine zentrale Frage nicht: Sind durch den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung und bei einer optimalen Umsetzung des pädagogischen Rahmenkonzeptes zum Ganztag Hausaufgaben an Grundschulen noch zeitgemäß?
Ich finde hier lohnt sich ein Blick auf die Alemannenschule in Wutöschingen. Die Alemannenschule will die Funktion von Hausaufgaben in den schulischen Lernprozess integrieren. Üben und selbstständiges Arbeiten sollen stattfinden, aber innerhalb einer Schule, die dafür Zeit, Räume und Lernbegleitung bereitstellt.
Ich glaube, Schulen, die klassische Hausaufgaben aufgeben, werden es in Zukunft schwer haben, sich gegenüber anderen Schulen zu behaupten, die das nicht tun. Das gilt ganz besonders für Grundschulen. Ich bin überzeugt, gerade an Grundschulen sind klassische Hausaufgaben nicht mehr zeitgemäß, wenn Vor- und Nachmittag gut ineinandergreifen, wenn ausreichend pädagogische Lernbegleiter vorhanden sind und wenn das pädagogische Konzept ein integriertes Lernzeitmodell vorsieht.
Zum Schluss möchte ich doch noch einmal polemisch werden: Ich würde mir wünschen, dass die FDP bei ihrer Forderung nach Schuleingangstests auch so differenziert wäre, wie in diesem Antrag.
Vielen Dank.

Malte Krüger
Sprecher für Schule, Hochschule, Wissenschaft, berufliche und politische Bildung
