Rede zu Protokoll gegeben!
TOP 46–Bericht zur Situation und Arbeit der Familienzentren in Schleswig-Holstein
Dazu sagt die familienpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Catharina Nies:
Sehr geehrte Frau Präsidentin,
sehr geehrte Kolleg*innen,
ich finde es sehr positiv, dass wir in den letzten Monaten hier im Landtag intensiv über familienpolitische Themen sprechen. Mehrfach über die Situation alleinerziehender Familien, zu dengeplanten Kürzungen auf Bundesebene beim Unterhaltsvorschuss und zu familienpolitischen Maßnahmen.
Und heute sprechen wir nun über die Situation und die Arbeit unserer Familienzentren, die als Struktur seit 2014 existieren und in den letzten zwölf Jahren für viele Familien in Schleswig-Holstein eine wichtige Stütze und Anlaufstelle geworden sind, als ergänzendes Angebot zu den Familienbildungsstätten.
Bei Sozialministerin Aminata Touré und ihrem Ministerium bedanke ich mich ausdrücklich für den vorliegenden schriftlichen Bericht und für Ihre Ausführungen.
Warum ist die Arbeit der mehr als 140 Familienzentren in Schleswig-Holstein eigentlich so wichtig? Weil sie intensive Familienarbeit im Sozialraum übernehmen, und zwar dort, wo Kindertageseinrichtungen an ihre Grenzen kommen. Sie sind wichtig, weil sie bestehende und neue Angebote aus Bildung, Sozialwesen und Gesundheit vernetzen und wichtige Kooperationen schaffen. Und weil sie auch diejenigen Eltern unterstützen, die ihre Kinder noch nicht in einer Kita haben. Das alles passiert niedrigschwellig, präventiv und verlässlich.
Familienzentren sind genau dort, wo Unterstützung funktionieren muss: nah an den Menschen, ohne komplizierte Zugangsvoraussetzungen, und ohne dass Eltern erst beweisen müssen, dass sie ein Problem haben. Und genau da wird der Bericht besonders interessant. Denn er zeigt deutlich, dass die Stärke der Familienzentren in ihrer Niedrigschwelligkeit und in ihrer Beziehungsarbeit liegt. Viele beraten und begleiten Eltern mit hoher Intensität, arbeiten intensiv an der Teilhabe von Familien mit Migrationsgeschichte und widmen sich intensiv der Unterstützung besonders benachteiligter Kinder.
Familienzentren öffnen Türen zu Bildung und Teilhabe. Das ist genau die Funktion, die wir brauchen. Sie sind Brückenbauer. Zwischen Eltern und Kita. Zwischen Familien und Beratungsangeboten. Zwischen Familien und Jugendhilfe. Zwischen Menschen, die Unterstützung brauchen, und den Hilfen, die bereits vorhanden sind. Und oft beginnt das mit einem Elterncafé. Mit einem offenen Treff. Mit einer vertrauten Person, die man schon einmal gesehen hat. Oder mit einer anderen Mutter, die sagt: „Komm doch einfach mal mit.“
Der Bericht zeigt, dass genau diese persönlichen Zugänge entscheidend sind. Mund-zu-Mund-Empfehlungen sind der zentrale Zugangsweg. Die meisten Angebote funktionieren deshalb, weil sie ohne Vorabanmeldung sind, offene „Komm-und-geh-Angeboten“.
Das ist eine wichtige Erkenntnis für unsere Sozialpolitik: Niedrigschwelligkeit ist keine Zusatzqualität. Niedrigschwelligkeit ist die notwendige Voraussetzung dafür, dass Unterstützung überhaupt ankommen kann. Niedrigschwelligkeit ist ein Markenzeichen von Familienzentren.
Wenn wir Familien durch Prävention erreichen wollen oder es schaffen wollen, dass Kinder frühzeitig in einer Kita angemeldet werden, dann müssen wir dahin gehen, wo die Familien bereits sind, die eine zu geringe Betreuungsquote haben. Und deshalb ist es richtig, dass mit „KiTa für Alle“ jetzt auch aufsuchende Arbeit stärker in den Blick genommen wird. Der Bericht zeigt außerdem, dass es im Berichtszeitraum eine hohe Unsicherheit der Fachkräfte zu Planungssicherheit und Finanzierung gab. Auch das müssen wir ernst nehmen.
Zu beiden Punkten gehen wir mit der neuen Förderrichtlinie im Zuge von „KiTa für Alle“ wichtige Schritte: Die neue Förderperiode wird nun zum zweiten Mal in dieser Legislaturperiode eine vier- bis fünfjährige Geltungsdauer haben und der Landeszuschuss der Familienzentren, die ja sowohl kommunal als auch landesgefördert sind, wurde gerade erst um drei Millionen Euro angehoben, von 5,5 Millionen auf 8,5 Millionen Euro, um diejenigen Familien gezielt zu erreichen, die bisher ihre Kinder noch nicht in die Kita schicken.
Liebe Kolleg*innen,
der heute vorliegende Bericht ist für mich vor allem eines: eine wichtige Bestandsaufnahme darüber, was Familienzentren in Schleswig-Holstein bereits leisten und gleichzeitig ein Auftrag, darüber zu sprechen, was sie noch brauchen, damit diese Arbeit gut fortgeführt werden kann. Familienzentren sind ein zentraler Bestandteil einer Familien- und Kinderpolitik, die Chancengerechtigkeit in den Mittelpunkt stellt.
Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit.

Catharina Nies
Sprecherin für Migration, Flucht, Frauen, Gleichstellung, Familie, Kinder, Kita
