Zur vom Kabinett beschlossenen Landesverordnung als Grundlage für Drug-Checking-Modellvorhaben in Schleswig-Holstein sagt der gesundheitspolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Jasper Balke:
„Eine moderne und liberale Drogenpolitik setzt auf Prävention und Aufklärung statt Repression und Stigmatisierung. Obwohl der Konsum illegaler Drogen extrem gesundheitsschädigend ist, ist dieser trotzdem Realität für viele Menschen. Neben ordnungspolitischen Maßnahmen gehört es daher zur Aufgabe des Staates, diese Realität anzuerkennen und betroffene Menschen mit wirksamer Prävention, niedrigschwelliger Beratung und wissenschaftlich fundierter Aufklärung zu erreichen.
Mit der Landesverordnung schaffen wir nun die rechtliche Grundlage dafür, Drug-Checking-Modellvorhaben in Schleswig-Holstein zu ermöglichen. Das ist ein wichtiger Schritt für mehr Gesundheitsschutz, mehr Prävention und eine ehrlichere Drogenpolitik. Drug-Checking kann Leben retten, weil gefährliche Beimischungen, besonders hoch dosierte Substanzen oder unerwartete Wirkstoffe, erkannt und kommuniziertwerden können. Gleichzeitig entsteht genau dort ein Zugang zu Beratung, wo klassische Präventionsangebote viele Menschen bisher nicht erreichen.
Besonders wichtig ist mir: Drug-Checking ist keine Verharmlosung von Drogenkonsum. Geprüfte Drogen bleiben gesundheitsschädlich. Aber wer Risiken verschweigt oder Konsumierende moralisch abwertet, schützt niemanden. Wer dagegen analysiert, warnt, aufklärt und Beratung anbietet, kann konkrete Schäden verhindern.
Deshalb freue ich mich sehr, dass der Beschluss des Landtages nun umgesetzt wird. Mit dem Party- und Präventionsprojekt ODYSSEE habenwir in Schleswig-Holstein bereits wichtige Erfahrungen und Strukturen, an die angeknüpft werden können. Gerade im Umfeld von Festivals, Clubs und Musikveranstaltungen brauchen wir Angebote, die junge Menschen ernst nehmen und sie nicht erst dann erreichen, wenn gesundheitliche Schäden bereits eingetreten sind.
Schleswig-Holstein geht damit einen pragmatischen und verantwortungsvollen Weg: Wir akzeptieren nicht den Drogenkonsum, aber wirakzeptieren die Realität, dass es ihn gibt. Und aus dieser Realität folgt politische Verantwortung. Prävention funktioniert nicht durch Wegschauen, sondern durch Vertrauen, Aufklärung und konkrete Hilfsangebote.
Dass wir darüber hinaus zusätzlich Mittel für die wissenschaftliche Begleitung bereitstellen, ist richtig und Teil evidenzbasierterGesundheitspolitik. Modellvorhaben müssen sauber ausgewertet werden, damit wir lernen, welche Ansätze besonders wirksam sind und wie Drug-Checking langfristig in Präventions- und Suchthilfestrukturen eingebunden werden kann.
Für mich ist klar: Gesundheitsschutz muss vor Ideologie stehen. Drug-Checking ist kein Freifahrtschein für Drogenkonsum, sondern ein Instrument der Schadensminderung, Beratung und Prävention. Genau deshalb ist diese Verordnung ein guter und wichtiger Schritt für Schleswig-Holstein.“

Catharina Nies
Sprecherin für Migration, Flucht, Frauen, Gleichstellung, Familie, Kinder, Kita
