Norddeutsch und nachhaltig

Es gilt das gesprochene Wort!

TOP 35 – Evaluation und Fortschreibung der Landesstrategie „Bildung für nachhaltige Entwicklung“

Dazu sagt die umweltpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Silke Backsen:

Sehr geehrte Frau Präsidentin,
liebe Kolleg*innen,

die großen Herausforderungen unserer Gegenwart sind bei uns allen längst im Alltag angekommen: Klimakrise, Artensterben, Ressourcenverbrauch, der Zustand unserer Umwelt, besonders auch der Meere, Fragen globaler Gerechtigkeit, sozialer Zusammenhalt und demokratische Teilhabe. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) hilft Menschen, diese Zusammenhänge zu verstehen, das eigene Handeln einzuordnen und Zukunft aktiv mitzugestalten.

Genau deshalb ist BNE ein elementarer Baustein für einen bewussten und nachhaltigen Umgang mit Umwelt, Natur und Ressourcen. Und genau deshalb ist es so wichtig, dass diese Bildungsarbeit nicht nur in Schulen stattfindet, sondern auch an außerschulischen Lernorten, in Vereinen, Umweltbildungseinrichtungen, Kommunen, Kitas, Jugendverbänden und vielen weiteren Einrichtungen.

Wie lebendig diese Bildungslandschaft in Schleswig-Holstein ist, hat sich gerade wieder beim BNE-Forum in Neumünster gezeigt. Mehr als 100 Akteur*innen haben sich dort ausgetauscht, vernetzt und darüber gesprochen, wie Kunst, Kultur und Kreativität neue Perspektiven für nachhaltige Entwicklung eröffnen können.

Dort wurden auch wieder nun-Zertifikate verliehen – „norddeutsch und nachhaltig“. Das ist doch eine richtig treffende Bezeichnung für uns hier in Schleswig-Holstein: Norddeutsch und nachhaltig!

Drei Bildungsanbieter*innen wurden erstmals ausgezeichnet: der Garten für Kinder des BUND Lübeck, die Imkerin Inga-Regine Wulff und der Verein MeerManege aus Kiel. Weitere zehn Einrichtungen erhielten eine Re-Zertifizierung. Die MeerManege zum Beispiel verbindet Zirkuspädagogik, kulturelle Bildung und auch Umweltbildung und zeigt, dass Nachhaltigkeit nicht trocken, sondern kreativ, gemeinschaftlich und generationenübergreifend vermittelt werden kann. Mit ihrem Mitmachangebot direkt vor dem Eingang zum Landtag haben sie auch unseren Tag der Offenen Tür bereichert. Solche Lernorte und Lernprojekte machen BNE konkret. Sie zeigen: Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Begriff in Strategien und Konzeptpapieren. Sie ist etwas, das Menschen erleben, ausprobieren und in ihr eigenes Handeln übersetzen können.

Seit mehr als 20 Jahren werden in Schleswig-Holstein Bildungseinrichtungen und Bildungspartner*innen für ihre Nachhaltigkeitsarbeit ausgezeichnet. Mittlerweile sind es 74 Einrichtungen und Partner*innen im Land. Das ist ein starkes Fundament. Es zeigt, wie viel Engagement, Kompetenz und Leidenschaft bereits vorhanden ist. Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Ehren- und Hauptamtlichen im Land bedanken, die sich in vielen Projekten und Einrichtungen mit großem Engagement für eine starke nachhaltige Bildung einsetzen.

Die Landesstrategie BNE wurde 2021 verabschiedet. Sie hat viel zur Verankerung von Nachhaltigkeit in der Bildungslandschaft Schleswig-Holsteins beigetragen. Aber Rahmenbedingungen verändern sich. Gesellschaftliche Debatten verändern sich, ökologische Herausforderungen werden drängender und auch die Strukturen, in denen BNE umgesetzt wird, müssen regelmäßig überprüft werden. Mit unserem Antrag bitten wir die Landesregierung deshalb, die bisherigen Maßnahmen, Prozesse und Zuständigkeiten zu reflektieren. Es geht darum, gute Arbeit besser zu unterstützen, Doppelstrukturen zu vermeiden und die vorhandenen Netzwerke klarer und wirksamer miteinander zu verbinden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Frage, wie wir Fortschritte sichtbar und auch „messbar“ machen können. Dabei spielt auch die Sichtbarkeit der nun-Zertifizierung eine große Rolle. Wenn Einrichtungen hervorragende Arbeit leisten, dann sollen sie auch gesehen werden, dann soll das auch einen Effekt haben. Zertifizierte Angebote sollen leichter auffindbar sein, damit gute Beispiele auch andere ermutigen, sich ebenfalls auf den Weg zu machen.

Ich möchte, mit Erlaubnis der Präsidentin, enden mit einem Zitat von Konrad Lorenz: „Man schützt nur, was man liebt. Man liebt nur, was man kennt“. Es ist der Leitgedanke vieler Umweltbildungsprojekte und drückt aus, dass der praktische Natur- und Artenschutz echtes Verständnis und emotionale Verbundenheit voraussetzt.

Vielen Dank.

Silke Backsen

stellvertretende Fraktionsvorsitzende

Sprecherin für Umwelt- und Naturschutz, Meeresschutz, Tourismus