„Wohnen für Hilfe“ ist ein kleinerer Baustein, aber wir brauchen mehr Wohnheimplätze 

Es gilt das gesprochene Wort!

TOP 26 – „Wohnen für Hilfe“ stärken: Landesweite Plattform aufbauen und Beratungsangebote schaffen

Dazu sagt die Sprecherin für Wohnen der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Bina Braun:

Sehr geehrte Frau Präsidentin,

sehr geehrte Abgeordnete,

die Grundidee von „Wohnen für Hilfe“ ist sympathisch und sinnvoll. Manche Familien oder ältere Menschen haben Platz und wünschen sich Unterstützung oder Gesellschaft. Studierende suchen bezahlbaren Wohnraum. Wenn beides zusammenpasst, ist es eine Win-Win-Situation.

Die entscheidende Frage heute ist aber nicht, ob wir die Idee an sich gut finden, sondern ob es dafür jetzt eine neue landesweite Plattform und ebenfalls landesweit zusätzliche regionale Vermittlungsstrukturen braucht. Diese Frage müssen wir uns umso mehr stellen angesichts der gegenwärtigen schwierigen Haushaltslage. Und davon bin ich tatsächlich nicht überzeugt.

Zunächst stelle ich fest, dass es so ein Angebot in Schleswig-Holstein längst gibt. Das Studentenwerk Schleswig-Holstein vermittelt „Wohnen für Hilfe“-Partnerschaften bereits seit 2012 in Kiel und Umgebung. Sie stellt nicht nur ein Portal bereit, sondern die Projektleitung besucht Wohnraumanbietende vor Ort, führt Interessierte anhand von Fragebögen zusammen, bietet an, das Kennenlernen zu begleiten, unterstützt beim Wohnpartnerschaftsabkommen und bleibt auch bei späteren Fragen oder Problemen Ansprechpartnerin.

Das Studentenwerk unterhält zu dem Angebot einen sehr gut gestalteten Internetauftritt und wirbt auch regelmäßig zum Semesterstart noch einmal gezielt für „Wohnen für Hilfe“. Trotz dieser Bemühungen ist das konkrete Angebot überschaubar geblieben. Auf der Internetseite des Studentenwerks finden sich unter „Wohnen für Hilfe“ aktuell sechs konkrete Zimmerangebote. Im vergangenen Wintersemester wurden seit Semesterbeginn rund 30 Wohnpartnerschaften vermittelt; insgesamt waren es in den vergangenen 14 Jahren mehrere hundert.

Das ist gut – aber die Größenordnung macht auch deutlich: „Wohnen für Hilfe“ ist ein kleinerer Baustein, aber keine tragende Säule der Wohnraumversorgung. Schon gar nicht landesweit, denn diese Angebote sind in erster Linie für Studierende interessant und damit hauptsächlich in unseren Universitätsstädten. Für mich deutet das stark darauf hin, dass der Aufbau einer weiteren digitalen Vermittlungsplattform nur sehr begrenzt hilfreich wäre.

Das Land hat das bestehende Angebot finanziell mit aufgebaut. Bis 2024 erhielt das Studentenwerk für „Wohnen für Hilfe“ einen eigenen Zuschuss von 25.000 Euro im Jahr. Und auch wenn dieser Zuschuss mit dem Haushalt 2025 im Zuge der Haushaltskonsolidierung gestrichen werden musste, unterstützen wir das Studierendenwerk natürlich weiterhin in vielen Bereichen und bauen diese Unterstützung sogar weiter aus.

Der Zuschuss für soziale Maßnahmen wurde erst 2026 um gut eine Million Euro auf rund 4,9 Millionen Euro erhöht und wird im Haushaltsentwurf 2027 in dieser Höhe fortgeführt. Dazu kommen jährlich 750.000 Euro für zusätzliche Planungskapazitäten für Wohnheime und 800.000 Euro zur Stärkung des Eigenkapitals, damit das Studierendenwerk Fördermittel aus dem Programm „Junges Wohnen“ in Anspruch nehmen kann. Neu mit dem Haushaltsentwurf 2027 sind insgesamt 10 Millionen Euro direkte Investitionszuschüsse für den Ausbau studentischen Wohnraums für 2027 und die Folgejahre. Das ist bestens investiertes Geld!

Das Deutsche Studierendenwerk selbst ordnet „Wohnen für Hilfe“ ausdrücklich nur als Ergänzungsangebot ein und betont, dass vor allem mehr Wohnheimplätze gebraucht werden. Das ist für uns in Schleswig-Holstein besonders relevant. Die Versorgungsquote mit öffentlich geförderten Studierendenwohnplätzen lag 2025 bei 6,7 Prozent, bundesweit waren es 10,1 Prozent. Dementsprechend legen wir unseren Schwerpunkt genau richtig auf die Schaffung zusätzlicher Plätze.

Mit dem geplanten Azubiwerk werden wir künftig endlich auch Auszubildende strukturell bei der Findung von Wohnraum unterstützen. Für diese Zielgruppe scheint mir der Ansatz von „Wohnen für Hilfe“ weniger passend. Ausbildungen erfolgen zum größten Teil in Vollzeit und sind an feste Arbeitszeiten gebunden. Im Gegensatz zu Studierenden haben Azubis kaum die Möglichkeit zur freien Zeiteinteilung, sie können nicht nebenher noch jobben und daher auch nur begrenzt Hilfe leisten.

Mit den beschriebenen Maßnahmen tun wir als Land alles derzeit Mögliche, um für junge Menschen mehr Wohnraummöglichkeiten zu schaffen. Wir setzen haushalterisch bereits genau die richtigen Schwerpunkte und haben für weniger effektive Maßnahmen mit geringer Reichweite im Moment einfach nicht die Mittel. Deshalb lehnen wir Ihren Antrag heute ab.

Vielen Dank!

Bina Braun

Sprecherin für Bauen, Wohnen, Kommunales, Ländliche Räume

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